Wrigley Prophylaxe Preis 2020
Milch, Joghurt und Gemüse halten Kariesbakterien in Schach

Der mit 10.000 Euro dotierte Wrigley Prophylaxe Preis wurde heute zum 26sten Mal – in diesem Jahr aufgrund der Pandemie online – verliehen. Die diesjährigen Preisträger sind Zahnmediziner aus Freiburg, Heidelberg und Hannover. Ihre Arbeiten geben neue Einblicke in die Bakteriengemeinschaft des Biofilms am Zahnfleischrand, liefern erstmals einen Überblick zur Mundgesundheit von Hundertjährigen und zeigen, wie effektiv eine Zahnputzkontrolle mittels App und Abakus bei jüngeren Senioren ist.

Der Wrigley Prophylaxe Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen in der Zahnmedizin und würdigt herausragende Forschung und Praxisprojekte im Bereich der Kariesprophylaxe. Eine unabhängige Jury aus Wissenschaftlern bewertet die eingereichten Arbeiten, die in den letzten Jahren viel zur Verbesserung der Mundgesundheit bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen beitragen konnten. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ). Stifterin ist die wissenschaftliche Initiative „Wrigley Oral Healthcare Program".

Hintergrund ist: Regelmäßiges Kauen von zuckerfreiem Kaugummi nach Mahlzeiten empfiehlt die medizinische Leitlinie zur Kariesprophylaxe als eine von drei Maßnahmen, die jeder eigenverantwortlich durchführen kann, um seine Zähne gesund zu erhalten.

1. Platz: Welche Lebensmittel hemmen, welche fördern Kariesbakterien?

Zuckerreiche Ernährung fördert das Wachstum von Kariesbakterien im Biofilm über dem Zahnfleisch, während Inhaltsstoffe in Milch, Joghurt und faserreichem Gemüse diese Bakterien in Schach halten und den Zahnschmelz glätten. Das zeigt ein Forscherteam um Professor Ali Al-Ahmad aus Freiburg (Prämie: 7.000 Euro), das den ersten Preis erhielt. Die Wissenschaftler unter-suchten erstmals im lebenden Organismus die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lebensmitteln und den Bakterien im Mund-Biofilm am Übergang von Zahnfleisch zum Zahn. Der Anteil kariesfördernder Streptokokken lag bei zuckerreicher Ernährung bei 40 Prozent und sank unter dem Einfluss einer reichlichen Aufnahme von Milch, Joghurt und Gemüse auf 24 Prozent. Die Veränderungen hielten auch an, nachdem die Probanden wieder zu ihrer Ausgangsernährung zurückgekehrt waren. Zur Kariesprävention empfehlen die Autoren, mehr Milch, Joghurt und Gemüse auf den Speiseplan zu setzen.

2. Platz: Fast zwei Drittel der Hundertjährigen haben noch eigene Zähne

Den zweiten Platz (Prämie: 3.000 Euro) belegen Dr. Caroline Sekundo und ihr Team vom Universitätsklinikum Heidelberg, deren Pilotstudie erstmals Einblicke in die Mundgesundheit Hundertjähriger gibt. Von 55 Senioren im Alter von 100 Jahren oder älter waren nur 36 Prozent zahnlos; fast zwei Drittel hatten noch eigene Zähne und waren unterschiedlich mit Zahnersatz versorgt. Im Vergleich zu jüngeren Senioren hatten Hundertjährige jedoch weniger eigene Zähne und häufiger Karies. Die Behandlung von Zahnschäden war bei mehr als 60 Prozent zu belastend und fast jeder zweite hochbetagte Mensch konnte nicht mehr so gut Mundhygiene betreiben. Die schlechte Mundgesundheit minderte die Lebensqualität aber nicht übermäßig. Den Senioren machte vor allem das Kauen fester Kost zu schaffen und sie beklagten, dass dies das Spektrum an Lebensmitteln einschränke. Die Autoren der Studie plädieren dafür, bei jüngeren Senioren verstärkt Präventionsmaßnahmen einzusetzen, damit die Mundgesundheit und Lebensqualität möglichst lange erhalten bleibt.

Sonderpreis: App und Abakus helfen bei der Zahnputzkontrolle

Den Sonderpreis „Niedergelassene Praxis und gesellschaftliches Engagement" (Prämie: 2.000 Euro) gewann ein originelles Projekt von Professor Hüsamettin Günay und Dr. Karen Meyer-Wübbold von der Medizinischen Hochschule Hannover. Es untersuchte, welche Hilfsmittel Senioren unterstützen können, eine bestimmte Zahnputzsystematik zu Hause umzusetzen und ihnen bei der Zahnputzkontrolle zu helfen. Dafür dokumentierten 16 Teilnehmer ihre häusliche Mundhygiene entweder mit einer einfachen App, einer App mit mehr Funktionen oder einem Abakus.

Die zu Beginn der Studie gemessenen Plaque-Index-Werte, eine Messzahl zur Kontrolle der Zahnhygiene, verbesserten sich durch jede Art der Mundhygiene-Dokumentation. Als besonders effektiv entpuppten sich die funktionsreiche App und der Abakus. Das altbewährte Rechenhilfsmittel fördert die Selbstkontrolle und beansprucht gleichzeitig Motorik und Sensorik, schlussfolgerten die Autoren.

 

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© WOHP

Wrigley Prophylaxe Preis-Verleihung 2020

Die Preisträger: (oben v. l. n. r.) Prof. Dr. Ali Al-Ahmad (1.Platz, Freiburg), Dr. Caroline Sekundo (2. Platz, Heidelberg), Prof. Dr. Hüsamettin Günay und Dr. Karen Meyer-Wübbold (Sonderpreis, Hannover);

Sponsor: (rechts oben) Nina Wenzl, Wrigley Oral Healthcare Program, Mars GmbH;

Die Jury: (unten v. l. n. r.) Prof. Dr. Thomas Attin (Zürich), Prof. Dr. Werner Geurtsen (Hannover), Prof. Dr. Rainer Haak (Leipzig), Prof. Dr. Christian Hannig (Dresden), Andreas Herforth (Hamburg), Prof. em. Dr. Joachim Klimek (Gießen), Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel (Bern).

 

kommed
Dr. Barbara Bethcke