Wrigley Prophylaxe Preis 2022

Zahngesunde Rituale schon bei den Allerkleinsten fördern
 

Heute wurden die Gewinner*innen des Wrigley Prophylaxe Preises bekannt gegeben. Die Jury prämierte Projekte aus Heidelberg, Bonn, Hamburg und Kiel. Drei haben die Bekämpfung von Karies bei Kleinkindern im Visier: Ein Programm für unter Dreijährige in Kitas, ein Unterrichtskonzept zur Mundgesundheit für angehende Hebammen und ein Projekt für Kinder mit angeborenem Herzfehler. Ausgezeichnet wurde außerdem eine App, die Risikogruppen zu einer besseren Mundgesundheit verhilft.

Der Wrigley Prophylaxe Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen in der Zahnmedizin. Eine unabhängige Jury aus Wissenschaftler*innen bewertet Arbeiten aus Forschung und Praxis, die zur Verbesserung der Mundgesundheit beitragen. Seit der Gründung vor 28 Jahren steht der Preis unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ). Stifterin ist die wissenschaftliche Initiative „Wrigley Oral Healthcare Program“. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass das regelmäßige Kauen von zuckerfreiem Kaugummi neben Zähneputzen und gesunder Ernährung zu den drei Kernempfehlungen der medizinischen Leitlinie zur Kariesprophylaxe gehört, die jeder eigenverantwortlich umsetzen kann.

1. Platz: Früh übt sich – Zahnschutz für unter Dreijährige in Kitas
Fast 14 Prozent der Dreijährigen in Kitas haben Karieserfahrung, ergab 2016 eine Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ). Das zeigt: Um Kinderzähne zu schützen, müssen mundgesunde Gewohnheiten früher als bisher gefördert werden, also vor dem dritten Geburtstag. Deshalb entwickelten Dr. Uwe Niekusch und sein Team vom Zahnärztlichen Dienst in Heidelberg das Projekt „Aktion Mäusezähnchen“ (Prämie: 5.000 Euro). Das Gruppenprophylaxe-Programm richtet sich explizit an unter Dreijährige, samt deren Betreuungspersonen wie Erzieher*innen und Eltern und ist in Kitas, Tagespflege und anderen Stellen einsetzbar, in denen die Allerkleinsten betreut werden. Es enthält Infomaterialien u. a. zur täglichen Zahnreinigung oder zu zahngesunder Ernährung, ebenso Schulungsimpulse, die z. B. das Trinken aus dem Becher fördern oder das Abgewöhnen von Schnuller und Daumenlutschen unterstützen. Das Konzept lässt sich an die Gegebenheiten vor Ort anpassen und erweitern und sorgt dadurch für größere Akzeptanz. Das motiviert die Erzieher*innen, eigene Ideen einzubringen, schafft Konstanz und unterstützt die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen. Zudem bildet es eine gute Grundlage für bestehende Projekte der Gruppenprophylaxe für über Dreijährige.

2. Platz: Mundgesundheits-Unterricht macht Hebammen fit
Hebammen spielen eine Schlüsselrolle für Schwangere und junge Familien: Was sie empfehlen, hat Gewicht. Wie sie bei Fragen rund um die Mundgesundheit kompetent beraten können, lernen sie seit 2019 in ihrer Ausbildung. Das Unterrichtskonzept wurde federführend von Bettina Berg und ihrem Team von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) in Bonn in Kooperation mit dem Deutschen Hebammenverband und mehreren Landesarbeitsgemeinschaften für Jugendzahnpflege erarbeitet (Prämie: 3.000 Euro). Es vermittelt die wichtigsten Zusammenhänge zur Kariesprävention in der Zeit von der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Dabei gibt es zwei Kernbotschaften: Erstens, dass die werdende Mutter effektiv für ihre eigene Zahngesundheit sorgen kann und sollte, und zweitens, dass Karies vom ersten Zahn an vermeidbar ist. Hier ist Aufklärung gefragt: Häufiger Auslöser für Karies bei Kleinkindern ist nach wie vor die Nuckelflasche mit zuckerhaltigen Getränken.

3. Preis: App mit Lerneffekt – Tipps für eine bessere Mundgesundheit
Manche vulnerablen Bevölkerungsgruppen haben wenig Zugang zu Mundgesundheitsinformationen. Sie wissen oft nicht, wie sie ihre Mundgesundheit verbessern können. Genau dabei soll eine neue App helfen. Entwickelt wurde sie von Privatdozentin Dr. Ghazal Aarabi und ihrem Team vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Prämie: 2.000 Euro). Die App ist in mehreren Sprachen verfügbar und enthält viele Infos u. a. zu Mundhygiene, Ernährung, Fluorid, oralen Erkrankungen oder zum deutschen Gesundheitssystem. Die Inhalte werden spielerisch via Multiple-Choice-Quiz und interaktiven Videos vermittelt, etwa zum richtigen Gebrauch von Zahnseide. Ob die App effektiv ist, wird derzeit in einer Studie untersucht. Erste Daten sind positiv: Nach sechs Monaten wussten App-Anwender*innen besser als zu Studienbeginn, warum eine gute Mundgesundheit wichtig ist und wie man sie erreicht.

Sonderpreis: Zahnärztliche Sprechstunde für Kinder mit Herzfehlern
Bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern muss man auf eine gute Mundgesundheit vom ersten Zahn an besonders achten. Denn sind die Milchzähne kariesfrei, sinkt lebenslang das Risiko für eine Herzklappen-Entzündung. Diese kann durch bestimmte Bakterien aus dem Mund- und Rachenraum verursacht werden.

Um die Zahngesundheit dieser Kinder zu stärken, starteten Dr. Louise Holtmann und ihre Kolleg*innen vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, ein Kooperationsprojekt (Prämie: 2.000 Euro): Dabei ziehen zwei Fachkliniken an einem Strang: Kommen die Kinder zu den Kontrollterminen in die Klinik für angeborene Herzerkrankungen und Kinderkardiologie, werden sie bei Bedarf in die Zahnklinik überwiesen, die eine eigene Sprechstunde für Kinder und Jugendliche mit Herzfehlern eingerichtet hat. Damit angehende Zahnärzt*innen mit den Besonderheiten bei diesen Risikopatienten vertraut werden, wurde das Thema außerdem in den Lehrplan des Zahnmedizinstudiums aufgenommen.

Pressebild_WPP_2022

 © Wrigley Oral Healthcare Program/DGZ
Wrigley Prophylaxe Preis-Verleihung 2022:
(von links) Prof. Dr. Annette Wiegand (Jury, Göttingen), Prof. Dr. Werner Geurtsen (Jury, Hannover), Bettina Berg (2. Platz, Bonn), Prof. Dr. Thomas Attin (Jury, Zürich), PD Dr. Ghazal Aarabi (3. Platz, Hamburg), Prof. Dr. Joachim Klimek (Jury, Gießen), Dr. Louise Holtmann (Sonderpreis, Kiel), Dr. Christian Rath (Jury, Darmstadt), Sibylle Wilczek (Gewinnergruppe 1. Platz, Heidelberg), Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel (Jury, Bern), Janina Werner (Wrigley Oral Healthcare Program, Unterhaching), Prof. Dr. Rainer Haak (Jury, Leipzig)